Frische Luft schlug ihr entgegen, milde, mit dem Geruch von saftigem Gras, frischen Blüten, feuchter Erde und mit all den verschiedenen Aromen des Waldes. Sie atmete tief ein, straffte ihren Rücken und sah sich kurz um.
„Okay, dann fang ich mit einem Vogel an“, murmelte sie vor sich hin. Sie war nicht nervös, nur voller Tatendrang. Sie drang ein wenig tiefer in den Wald ein, zu dem Bereich, welches für die viele Beute bekannt war. Besonders jetzt in der Blattfrische.
Honigpfote öffnete dem Maul und erkannte eine schwache Spur von einem Vogel.
Sie schlich los, Pfoten leicht, Körper tief, Augen aufmerksam. Sie wusste, dass jede Bewegung zählte. Kein Fehler, keine vorschnelle Reaktion, nichts, was ihrem Mentor enttäuschen könnte.
Nach ein paar Augenblicken entdeckte sie eine kleine Meise auf einem niedrigen Ast einer Esche. Das Vogelchen hüpste unruhig hin und her, noch völlig ahnungslos. Honigpfote spannte ihre Muskeln, zählte innerlich bis drei. Dann setzte sie sich mit einem schnellen, aber präzisen Sprung nach oben in Bewegung.
Ihre Pfoten schlossen sich um den Vogel, und einen Herzschlag später landete sie elegant wieder auf dem Boden. Sie vergrub die Meise.
„Gut, Vogel erledigt“, sagte sie leise, nickte sich selbst bestätigend zu und machte sich sofort auf zur nächsten Aufgabe: Maus.
Sie sog erneut die Luft ein und erkannte überasschenderweise eine sehr frische Spur in der Nähe.
Sie bewegte sich nun in die langen Gräser von wo der Duft kam.
Als sie die kleine Spitzmaus entdeckte, blieb sie kurz stehen, zwang sich aber, ruhig zu bleiben. Sie war nicht mehr das Junge, das vorschnell aufsprang. Sie schlich sich näher, jede Pfote mit Bedacht gesetzt. Dann ein schneller, sauberer Sprung. Die Maus war gefangen, ohne unnötiges Zappeln, ohne unnötige Gewalt. Honigpfote legte sie neben den Vogel, sah kurz auf ihre Beute und lächelte zufrieden.
„Zwei von drei“, murmelte sie. ,,Wasserfall ich komme!.“
(@Hassnebel )